Samstag, 9. August 2014

Digitale Konsolidierung

Wenn die freizeitliche Benutzung der Computertechnik zur Belastung wird, ist es an der Zeit, ein paar Dinge über Bord zu werfen. Microsoft Windows zum Beispiel, Stayfriends, Tons of Newsletters und ein paar Geocaches.

Begonnen habe ich meine Computerlaufbahn 1988 mit einem KC 85/3, ca. 1991 kam ein Amiga 500 und um 1995 der erste Pentium 100 mit Windows 95. Einen großen Teil meiner Rechnerzeit verbrachte ich mit Warten. Warten bis der Rechner hochgefahren ist; warten, bis ein Programm geladen ist; später warten, bis eine Website sich aufgebaut hat – warten, warten, warten.


Zwischenzeitlich hatte ich zwei weitere Desktop-PC, die unter Windows liefen. Mit dem Abschied vom Kabel-Modem und dem Einstieg in DSL und W-LAN wollte ich zumindest im Haus mobil sein, der erste Laptop wurde angeschafft. Dessen Betriebssystem Windows Vista wurde von mir zugunsten des älteren XP gelöscht, weil Vista zu langsam war und einige von mir geschätzte Programme darunter nicht liefen. Als die Netbooks auf den Markt kamen, habe ich mir auch davon eines zugelegt. Dieses habe ich eine Zeit lang unter Ubuntu Linux betrieben und eine Zeit lang unter XP. Das Netbook war zwar recht leistungsschwach, hatte aber eine gute Akkulaufzeit, so dass ich mich auch vom Stromnetz etwas abnabeln konnte. Doch alle Windowssysteme wurden sukzessive langsamer. Die Updates für Betriebssystem, Virenschutz und Browser waren in ihrer Häufigkeit und ihrem Umfang nervig. Warten, warten, warten. 

Mehrfach war ich drauf und dran, komplett auf Linux umzusteigen. Die Distributionen von Ubuntu habe ich jahrelang parallel zu Windows genutzt. In meiner Wahrnehmung war das System auf meinen in die Jahre gekommenen Rechnern in Sachen Performance im Vorteil. Sie liefen stabil und flink. Nur das eine oder andere Windowsprogramm, welches ich gern nutzte, hielt mich vom Wechsel ab.

Mit dem ersten Apple iPad, welches ich mir einige Monate nach dessen Einführung zulegte, änderte sich mein Nutzungsverhalten grundlegend. Die Klapprechner schaltete ich nur noch ein, wenn es eine Aufgabe erforderte, die ich auf dem Touchscreen des iPad nicht lösen konnte. Die ständige, sofortige Einsatzbereitschaft des iPad war mit der Standbyschaltung der Windowsgeräte nicht zu vergleichen: das für mich grauenhaft mühsame Aufwachen der Maschine und Verbinden mit dem Internet gehörten mit den iDevices der Vergangenheit an. Seit dieser Zeit bin ich ein Freund der Apple-Geräte, auch das zugehörige Telefon hat es mir angetan.

Und doch gibt es noch immer Anwendungen, für die man eine rechte Maustaste, einen „richtigen“ Computer benötigt. Nachdem Mircrosoft den Support für Windows XP dieses Jahr eingestellt hatte, musste eine neue Laptop-Lösung her. Windows 7 oder 8 mit neuem Laptop waren eine Option, ein MacBook Air mit MacOS die andere. Die Zeit war reif, ich habe Windows über Bord geworfen und mit ihm einige Programme, die ich nicht mehr nutzen werde. Dafür habe ich nun ein System aus iPad, iPhone und MacBook, welches aufeinander abgestimmt ist und funktioniert. Die Warterei hat ein Ende, denn auch das MacBook ist ständig einsatzbereit und arbeitet flott. Wenn ich beispielsweise nach einem Lauf die Daten meiner Sportuhr (TomTom MultiSport Cardio) per USB übertrage, dann ist das vom Aufklappen des MacBook bis zur Anzeige der Werte im TomTom MySports-Account eine Sekundensache. Mit meinen alten Rechnern hätte dabei ich die Geduld verloren. Mit Windows bin ich also einen großen Zeitfresser losgeworden.

Ich verbringe gerade meinen Urlaub in einer Hütte im Schwarzwald. Absolute Ruhe, kein Durchgangsverkehr, Abgeschiedenheit, Zeit zum Lesen. Da fällt mir erst einmal auf, wie viele überflüssig gewordene Benachrichtigungen ständig auf allen Geräten angezeigt werden: Newsletter, Status-Updates aus sozialen Netzwerken, Logberichte meiner Geocaches und so weiter. Und alles verlangt nach Interaktion und wenn es – bestenfalls – nur um das Löschen der jeweiligen Nachricht geht. Da laden mich Leute dreimal am Tag ein, Candy-Crush-Saga zu spielen; da mosern Geocacher, dass mein Logbuch voll sei; da will Oliver Thiel, dass ich den Klassensprecher des Abschluss-Jahrgangs 1991 (!) wähle.

StayFriends-Spam (zum Vergrößern antippen).


Eigentlich muss ich Oli dankbar sein, denn er hat mit seinen nervigen, verzweifelten Versuchen, seiner Schulkameradenverwaltung Leben einzuhauchen, das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich habe meinen Account bei Stayfriends gelöscht. Für ein Klassentreffen alle zehn Jahre muss ich mir nicht alle drei Tage solch einen Unfug antun. Und das war nur der Auftakt für eine anhaltende Abmeldeorgie. Newsletter um Newsletter, der mich dieser Tage erreicht, hinterfrage ich: haben diese Informationen einen Wert für mich? Meist nicht. Und ich mache mir die Arbeit, mich aus den Verteilerlisten zu löschen.

Langsam kehrt Ruhe in meinen privaten Mailkorb ein. Sogar, wie man die Facebook-Spieleanfragen blockiert, weiß ich nun auch.

Ich möchte (k)ein Spiel spielen...


Und es geht munter weiter mit meiner digitalen Konsolidierung. Als nächstes sind meine Geocaches dran, unter anderem die Chinesentempel-Serie. Mein Enthusiasmus von einst ist verflogen. Ich freue mich nicht mehr über jeden Logeintrag, der an mich übermittelt wird. Im Gegenteil - es langweilt mich inzwischen zu lesen, was mancher Finder von sich gibt. Natürlich könnte ich die Mailbenachrichtigung stoppen. Aber das wäre inkonsequent. Ich werde die Caches archivieren.

 Was bleibt? Zeit. Für Digitales und Analoges. Auf jeden Fall mehr Freizeit.